Tempi passati – Die Geschichte einer traumhaften Zeitreise

„Haltet Euch aufrecht, Sire!“ „Die Zügel nicht so gespannt!“ weist Maître de Pluvinel seinen König auf dem Schecken an.

Lektion für Lektion steigert sich das Paar bis zur gelungenen Capriole…

Träume
Jahre ist es auch her, als uns ein Ausflug eines regnerischen Sonntags in den nahe gelegenen Wenkenpark führte. Von der Strasse aus nur zu erahnen, was es mit der Broncestatue eines Pferdes auf sich hat, durchschritten wir das von güldenen Hirschen flankierte Tor. Vorbei an einer pompösen Villa schlenderten wir durch den Park zu einem weiteren Gebäude. Welch Herzklopfen, als sich dieses als Reithalle mit Stallungen entpuppte! Und welch Trauer in unseren Reiteraugen, als wir durch die Fenster die Bestuhlung erblickten: Nun erhellen die Kronleuchter keine Pferdelaiber mehr, es ist ein Festsaal für den Pöbel. Wie musste das schön gewesen sein, darin zu reiten…

Es vergingen wieder Jahre, bis wir das zweite Mal das Reithallenkunstwerk einer Besucherin zeigten. Diesmal blieb mein Herz fast stehen: Was war das da hinter der Hecke?
Tatsächlich ein Reitplatz und der hatte allem Anschein nach noch seinen ursprünglichen Zweck! Mein Traum bekam ein Gesicht…

Recherchen führten mich mit den richtigen Ansprechpersonen zusammen. Die ganze Parklandschaft gehört der Stadt Basel und ist allen öffentlich zugänglich. Meine Frage war einfach: Ob ich eine Stunde dort reiten und Erinnerungsfotos machen dürfe.
Auch die Antwort war einfach: Der Preis, ein Hammer .. und ein Begräbnis dazu.

Zwischenzeitlich organisierten wir Barockturniere – und immer in Gedanken, wie stilvoll ein solches dorthin passen würde. Doch dafür war die Infrastruktur nicht gegeben, zu aufwändig das Ganze: Es sollte ein Traum bleiben.

Begeisterung
Warum auch immer die vielen Zufälle die Idee am Leben erhielt? Wohl weil Träume pure Energie sind! Letztes Jahr fragte ein ausländischer Hobbyfotograf nach Terminen von Barockturnieren und eine Email landete auch bei mir. Wir kamen „ins Gespräch“ und irgendwann schrieb ich von meinem Traum. Postwendend keimte meine Pflanze, das Ehepaar kam vorbei und wir schlenderten durch den Wenkenpark. Nun waren wir schon vier Begeisterte!

Wieder stellte ich Kontakt mit den Zuständigen her, erklärte das Unterfangen und meiner Idee wuchsen Hände und Füsse. Eine weitere Verrückte war schnell gefunden und so denke ich gerne an diesen Montag im Juni 2006 zurück. Der Fotograf kam mit Frau und Pferd aus Österreich angereist und so trafen sich bei herrlichem Wetter vier Pferde um für ein paar Momente die Zeit zurückzudrehen und Geschichte zu erleben! Ein wirklich bleibendes Erlebnis bei der Atmosphäre, den Eindrücken und am Ende den grandiosen Beweisen auf Celluloid.

Geschichte
Dieses Gefühl sollten auch Andere in ihrer Lebensgeschichte verewigen dürfen. So setzten wir uns vor wenigen Monaten an ein Neuaufleben des Wenkenparks mit anderen Protagonisten. Die Resonanz war riesig und die zwölf Plätze im Nu vergeben!

Nun hiess es warten auf die Sonne, die sich schon letztes Jahr plötzlich rar machte. Wiederum folgte auf einem perfekten April ein regnerischer Mai. Doch passend zu dieser Geschichte stand uns das Glück zur Seite und der zweite ausgehandelte Termin – notabene der Einzige, an dem Alle konnten! – brachte Sonne und Hitze bis in den späten Nachmittag.

So bevölkerten jeweils zwei Pferde den Reitplatz und Park für eine Stunde und steigerten die Atmosphäre wieder zu diesem unglaublich eigenen Gefühl, das man selbst erlebt haben muss und einem niemand mehr nehmen kann! Diese wunderschöne, gepflegte Kulisse, das Licht, das durch die Bäume sanft die Erde berührte, die Vögel deren Zwitschern wie Musik vorhandene Nervosität zu reinem Geniessen reduzierte. Die Reiter verschmolzen mit ihren Pferden. Das leise klicken der Kamera hielt die Zeit an und bannte alles für die Ewigkeit fest.

Lebendig!
Zwei dunkelbraune PRE’s glänzten geküsst von der Sonne. Die Reiterinnen im roten Kleid  und traditionell gewandet.

Das Burgfräulein erscheint im Seitsitz auf dem grossen Lusitano-Schimmel zum morgendlichen Ausritt,

begleitet vom Araberfuchs in frühmittelalterlichem Tand. Das Paar nach neumodischem Staustehen in den Barock entflohen: Prachtvoll in einen blauen Traum gehüllt, wird die Dame vom Herren und den beiden Lusitanos durch den Park geleitet.

Nach einem Boxenstopp im Reithallencafé holte uns der Zauber schnell wieder ein, als ein sehr altes Foto zum Leben erweckt wurde. Der mächtige Kladruber platziert in eben diesem Tor, wo vor Jahrzehnten ein Wiener Hofreiter mit seinem Lippizaner piaffierte…

Danebst verzückte der dunkelbraune Lusitano seine in originale Tracht gekleidete Reiterin.

Der „schwarze Husar“, ein zweibrücker Rappe, preschte wagemutig über das Viereck, sich  dem Feind stellend. Und zum Schluss liess sich die ganze Herrschaftsfamilie beim Sonntagsspaziergang am Teich zu einem stimmungsvollen Stelldichein nieder.

Die selbst genähten Barockkleider verfehlten ihre Wirkung auch auf ihren beiden Schimmeln aus Spanien und Portugal nicht. Und langsam entschwanden sie, die Farben verblassten und die Neuzeit hatte uns wieder.

Erinnerung

Die Erinnerung sitzt tief, mein Ziel ist erfüllt und nun wird wohl noch so manch Poster, die heimischen Stuben verschönern.

Mein Dank gilt den Künstlern – den zwei- wie den vierbeinigen und vor allem demjenigen mit dem dritten Auge.

Ob es noch mehr Leute gibt, die nun davon träumen? Ideen kann man verwirklichen – es lohnt sich wirklich!

Bericht: Bea Golaz

Wenkenpark



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